Handydiebstahl - ein Test

Durch einen Besucher unserer Seiten wurde uns ein sehr interessanter Beitrag zum Tema "Handyklau-Test" geschickt. Diesen hier zum Nachlesen:

Der Grund:
"Zunächst erst einmal der Versuch im Detail. Am vergangenen Samstag zur besten Geschäftszeit haben ein Kollege und ich für unsere Tageszeitung in einem großen Shoppingcenter, in dem sich ca. 100 Geschäfte auf einer Mall befinden, herausfinden wollen, wie handygierig die Besucher doch sind, bzw. was sind das für Leute, die da Mobiltelefone entwenden.
Der Versuch:
Wie haben wir das angestellt? Ziemlich genau in der Mitte des scheinbar unerschöpflichen Shoppingparadieses befindet sich ein Eiscafe, das uns für den Test sehr ansprach. Somit bin ich mit dem Pächter des Lokales ins Gespräch gekommen und erläuterte ihm unseren Test. Er war recht schnell einverstanden, daß wir unsere Sache in seinem Geschäft ohne Probleme durchführen konnten. Ihm war wohl sofort bewußt, daß er bei uns eine mächtige Zeche zu erwarten hatte, da es sich über doch einige Stunden hinziehen
sollte. Wir wollten ja schlieslich auch nicht verdursten und unser Lockvogel sollte ebenfalls nicht ohne Bewirtung sein. So liesen wir zwei Tische reservieren, einen für die zu "stehlenden" Mobiltelefone und einen für uns, von dem aus wir den Anderen gut einsehen konnten. So wollten wir es machen. Auf einem scheinbar kurzzeitig herrenlosen Tisch legten wir eine aktuelle Tageszeitung und ein Handy. Ab und zu liesen wir den Kellner an den Tisch servieren, um es so unauffällig, wie möglich zu gestalten.
Die Köder:
Zum Test verwendeten wir drei Mobiltelefone verschiedener Hersteller und aus unterschiedlichen Altersklassen. Es dienten uns ein Motorola 3200 International, ein Nokia 3310 und ein Siemens C25, das wir nutzten, um unsere Lockvögel hin und wieder anzurufen. Vielleicht geht ja mal einer ran. Somit hatten wir die Möglichkeit herauszufinden, ob Langfinger auch auf den Typ und das Alter von den kleinen Begleitern achten, oder ob einfach nur zuglangt wird. So waren wir sicher, den einen, oder anderen Zugriff mitzuerleben und den "Dieb" dann zur Rede zu stellen.
Der Bericht
Tatsächlich wurden wir mit zum Teil sehr erschreckenden Begnungen in den folgenden Stunden überascht! In den ersten 20 Minuten blieb der Tisch, auf dem erst einmal das Gerät von Motorola bei der Zeitung und einem Stück Kuchen lag, unbeachtet, bis eine Dame mittleren Alters dort einfach Platz nahm und das riesige Telefon bewunderte und auch etwas damit herumspielte. Mein Kollege ging inzwischen unbemerkt von der Dame zur Kuchentheke und tat so, als ob er dort eine Bestellung aufgeben wollte. Es vergingen nur wenige Minuten, bis die gute Frau mit ihrer jetzt wohl etwas schwereren Handtasche sich erhob und in Richtung Mall unerkannt verschwinden wollte. Aber mein Kollege war zur Stelle und sprach die nicht gerade arm wirkende Dame auf das Verschwinden "seines" Telefones an. Fast unverschämt äußerte sie sich mit den Worten, sie hätte es ja schließlich gefunden und dachte sicher nicht daran das bleischwere Gerät zurückzugeben. Erst als ich dazu kam und ihr unseren Test erläuterte gab sie es widerwillen heraus und suchte schnell das Weite. Das muß ja peinlich gewesen sein für eine so adrette Frau. Auf den "Knochen" erfolgten insgesamt drei Zugriffe, wobei die anderen Langfinger sofort Reue zeigten und das Gerät zurückgaben. Auf unsere Anrufe auf dem Telefon reagierte bis dahin keiner der Passanten. Ich hätte es wohl auch nicht getan.
Es war Halbzeit geworden und der Wechsel zum 3310 stand an. Das kleine, neue Handy sprach weitaus mehr Leute an und wurde wohl auch deshalb viel öfter zum Objekt der Begierde. 17 Zugriffe hatten wir zu verzeichnen und zwei mal reagierte man sogar auf unseren Anruf am leeren Tisch. Allerdings legten unsere kurzzeitigen Teilnehmer schnell wieder auf. Die Kommunikationsfreudigkeit war also nicht gerade überwältigend. Umso mehr erstaunten uns die Langfinger! Alle rückten in diesem Fall nach Erklärung unseres Tests das Gerät anstandslos wieder heraus. Nur hatten wir den Eindruck daß keiner älter als 20 Jahre war, die meisten könnte man im Schulalter einordnen.
Das Fazit:
Es wirkt fast beängstigend, daß in knapp mehr als vier Stunden zwanzig mal versucht wurde ein Mobiltelefon immer am gleichen Ort zu entwenden. Leider mußten wir auch feststellen, daß unsere heutige Jugend weitaus risikobereiter handelt, als die reiferen Generationen. Viele von ihnen kennen sich mit den Geräten auch recht gut aus und sind beim Klau auch noch wählerisch. Offensichtlich fand die Motorolakeule deshalb auch viel weniger Zuspruch. Was einst die Markenkleidung auf dem Schulhof war, ist heute wohl das Handy. "Hast du Handy, bist du Trendy!" Dabei sollte auch beachtet sein, daß sicher die Schuld an dieser schrecklichen Entwicklung nicht nur bei den Kids alleine zu suchen ist. Man muß sich sicher auch manchmal fragen was aus unserer guten Kinderstube von einst geworden ist. Hat unsere Leistungsgesellschaft nicht auch an der Vernachlässigung unserer Kinder mit Schuld? Suchen die Kids heute Anerkennung mit Statussymbolen, wie Handy und ein Messer im Schulranzen? Wo soll das noch hinführen?
Unser Test war auf jeden Fall kein Lehrbeispiel, aber er zeigte uns eben altbekanntes wieder aufs Neue: "Gelegenheit macht eben Diebe!"
Aber das muß nicht sein, denn man kann sich davor wirkunsvoll mit einfachsten Mitteln schützen. Das Handy gehört wie ein Geldbeutel eben niemals aus den Augen. Die Geräte sind heute so winzig, daß sie selbst in der engsten Jeans noch ein Plätzchen finden. Zum Vorteil auch für die Langfinger. Zudem haben alle Sim-Karten einen Pin-Code der, wenn man ihn nicht kennt spätestens beim nächsten Akkuabsturz das Telefonieren unmöglich macht. Fast alle Mobiltelefone verfügen noch über einen Gerätesicherungscode, der auch vor anderen Sim-Karten schützt. Ein so gesichertes Handy wird für fast alle Langfinger nach kürzester Zeit zum Elektronikschrott. So kann ich nur noch eines sagen: Etwas mehr Beachtung der eigenen Kinder schon in jungen Jahren und die Vernunft mit dem Umgang des eigenen Handys unterwegs würde die Zahl der Diebstähle beachtlich nach unten korrigieren. Sollten wir das nicht einfach mal versuchen???
Gruß! Markus P."

E-Mail an Markus P.: knuddelfalte@compuserve.de