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| Elektroschrott
macht Geschichte - Handys sind ein Fall fürs
Museum |
| Ur-Handys sind in realen und
virtuellen Museen zu bestaunen |
09.05.2001
10:27 |

Immer
kleiner, immer peppiger und immer vielseitiger - Handys
können längst mehr als telefonieren. Man kommt mit
ihnen ins Internet und auch die Lieblings-Musik lässt
sich mittlerweile über das tragbare Telefonwunder
abspielen. Wer interessiert sich da schon noch für die
Anfänge der Handymania?
Andreas Elmenthaler zum Beispiel. Seit der
Dresdener 1994 sein erstes Mobiltelefon in Händen hielt,
kann er vom Handy nicht mehr lassen. Der Sachse sammelt
Geräte aller Fabrikate. Auf seiner Handy-Homepage unter http://www.handy-sammler.de bietet er anderen Fans und
Interessierten die Möglichkeit zum Austausch und ein
Nachschlagewerk für Handytypen. Elmenthaler möchte die
Entwicklung des Handys nicht aus den Augen verlieren:
"Es kommen immer mehr Features ins Spiel. Wie kann
man denn neue Technik entwickeln, ohne die Ursprünge zu
kennen?"
Vor allem fasziniert den Technikfan, dass einige
als Neuerungen gepriesene Funktionen schon wesentlich länger
existieren: "Beispielsweise die eingebaute
Freisprecheinrichtung, Spiele und wechselbare
Beleuchtungsfarben. Damals wurden diese Funktionen belächelt,
heute gelten sie als Neuerungen." Darüber hinaus möchte
der Webmaster die gesellschaftliche Entwicklung des
Mobiltelefons auf seiner Homepage diskutieren: "Noch
vor Jahren war das Funktelefon Statussymbol. Heute sind
Mobilität und Unabhängigkeit mit die wichtigsten
Entwicklungsrichtungen in der Kommunikationstechnik."
Was für viele Menschen nichts anderes als
Elektroschrott darstellt, ist für echte Sammler ein Stück
Geschichte. Oft werden Geräte kurz vor dem Recycling aus
Containern gerettet. Defekte Handys geben dem Fan
immerhin noch Aufschluss über Größe, Gewicht und
Design. Und manchmal dienen die Geräte als
Ersatzteillager.
Während die Handysammler-Homepage in erster Linie
Eingeweihte anspricht, möchte die 1995 gegründete
Museumsstiftung Post und Telekommunikation mit Sitz in
Bonn auch Familien und Kinder für die Entwicklung der
Kommunikation begeistern. In den vier Museen der Stiftung
spielt auch die Geschichte des Handys eine wichtige Rolle:
"Ein Mobiltelefon beeinflusst das
Kommunikationsverhalten. Auch die Rede- und Jugendkultur
verändert sich drastisch durch neue Technikentwicklungen",
sagt Pressereferentin Manuela Schütze. "Das sind
aber nur einige Themen, die in unseren Museen Beachtung
finden."
Die vier Museen befinden sich in Berlin, Frankfurt,
Hamburg und Nürnberg. Jedes Haus hat sich einen
bestimmten Schwerpunkt gesetzt. "Aber die
Grundtendenzen und Entwicklungsschritte der menschlichen
Kommunikation und die Geschichte der Nachrichten und Post
können in allen vier Städten unter die Lupe genommen
werden", so Manuela Schütze. Wessen Herz besonders
für moderne Handys und SMS schlägt, der ist in Hamburg
genau richtig. Im Museum in der Hansestadt widmet sich
eine eigene Wand der Entwicklung der Handykommunikation.
Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation
veranstaltet außerdem Aktionstage, Foren für Fachleute,
Begleitprogramme zu Ausstellungen, Führungen durch die
Museen und sogar Internetkurse für Senioren. Manuela Schütze
hebt hervor, dass sich in den Kommunikationsmuseen auch
Nichttechniker wohlfühlen sollen: "Bei uns ist für
jeden etwas dabei. Auch die ISDN-Entwicklung hat ihren
Platz in den Ausstellungen. Doch natürlich ist ein
Modemkabel nicht so spannend wie ein riesiges Handy aus
den Anfängen der Funktelefone."
Von diesen Ur-Handys weiß Karlheinz Groebmair jede
Menge zu berichten. Er ist als Sprecher für den
deutschen Technikriesen und Mobiltelefonhersteller Siemens tätig. Unternehmen wie Siemens oder Nokia liegt eine Darstellung der
Entwicklungsschritte ihres Produkts am Herzen. So unterhält
Nokia ein Museum im Haupthaus in Espoo/Finnland. "Das
Siemens-Forum in München stellt wie ein
klassisches Museum die firmeneigenen Geräte aus und
informiert im Internet über Veranstaltungen,
Entwicklungsschritte und Firmenprodukte", so
Groebmair.
Nach Angaben des Siemens-Sprechers fanden die
ersten Funktelefone schon im Kriegsdienst Verwendung:
"Da die Netze noch nicht sehr groß waren, blieben
diese Telefone zunächst dem Militär oder der Polizei
vorbehalten." Erst in den siebziger Jahren
entstanden recht elitäre, analoge Funknetze. Mit der
digitalen GSM-Technik begann vor ungefähr fünf Jahren
der Einzug des Handys in die Taschen von Otto
Normalverbraucher. Von den Riesen-Mobiltelefonen in
Koffergröße wissen die Nutzer, die ihr Handy heute
sogar am Handgelenk tragen können, nichts mehr - dafür
ist es jetzt Sache der Historiker.
dpa / Frank Rebenstock
Die Veröffentlichung dieses Artikels
erfolgt mit der freundlichen Genehmigung von:
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